Uhr des Monats

Im monatlichen Wechsel möchten wir Ihnen auch im Jahr 2025 unterschiedliche Bifora-Uhren aus den privaten Sammlungen unserer Vereinsmitglieder vorstellen.

September


Frackuhr mit Bifora Kaliber 113 – Der Geist der 60er Jahre

Ein Zeitzeuge der neuen Sachlichkeit

Diese Frack- bzw. Taschenuhr ist ein echtes Arbeits- und Lebensstück: Gleich drei Reparaturzeichen im Gehäuse belegen, dass sie über viele Jahre hinweg geschätzt und getragen wurde. Sie verkörpert perfekt den Stilwandel ihrer Epoche – weg von den schwungvollen Formen der 1950er Jahre, hin zur klaren, prägnanten Typografie. Der BIFORA-Schriftzug präsentiert sich hier im gewandelten Design der neuen Sachlichkeit.

Unkonventionelle Mechanik im Übergang

Im Inneren arbeitet das seltene Bifora Kaliber 113 mit Datumsanzeige, das um 1960 für nur etwa drei bis vier Jahre gefertigt wurde. Technisch wie optisch spiegelt es den Aufbruch der 1960er Jahre wider: Der unkonventionelle, abstrakte Werkaufbau fällt sofort ins Auge. Während Aufzug und Zeigerstellung noch über eine klassische Wippe gelöst sind, sorgen eine große Unruh und die hauseigene Bifora-Stoßsicherung für die gewohnt hohe Ganggenauigkeit der Gmünder Uhrenschmiede.

Technische Details
  • Kaliber: Bifora 113 (mit Datum)
  • Bauzeitraum: um 1960 (nur ca. 3–4 Jahre produziert)
  • Werksgröße: 11 ½ Linien
  • Hemmung & Frequenz: 18.000 A/h
  • Steine: 17 Lagersteine
  • Besonderheiten: Bifora-Stoßsicherung, große Unruh, Wippenaufzug, abstrakter Werkaufbau
  • Zustand: Authentischer Tragezustand mit 3 historischen Reparaturzeichen

August


ZentRa Automatic – Bifora-Automatenkunst für die Genossenschaft

Prominenter Auslöser der Ära BIFORA-Automatic

Diese ZentRa Automatic aus der Zeit um 1954 zeigt auf eindrückliche Weise, wie begehrt die Schwäbisch Gmünder Uhrentechnik auch bei großen Handelsvereinigungen war. ZentRa vertraute bei diesem Modell auf das BIFORA-Kaliber 104/112 mit Datumsanzeige. Das verchromte Gehäuse mit seinem verschraubten, zweiteiligen Boden unterstreicht den robusten und hochwertigen Anspruch dieser Epoche.

Schlaues Baukastenprinzip für höchste Flexibilität

Im Inneren schlägt das BIFORA-Kaliber 104/112, das für die frühe Automatik-Entwicklung der Manufaktur steht. Die große Besonderheit liegt im meisterhaften modularen Aufbau: Das Automatikmodul wurde so konstruiert, dass es baugleich sowohl für das Kaliber 103 als auch für das Kaliber 104 eingesetzt werden konnte. Diese durchdachte Baukasten-Architektur sparte Entwicklungs- und Fertigungskosten und zeugt vom hohem Ingenieursgeist der Gmünder Uhrenkonstrukteure.

Technische Details
  • Kaliber:BIFORA 104/112 (Automatik mit Datum)
  • Marke/Einsatz:ZentRa
  • Baujahr:ca. 1954
  • Gehäuse:Verchromt, verschraubter 2-teiliger Boden
  • Werksgröße:11 ½ Linien
  • Schwingungen:18.000 A/h
  • Steinanzahl:26 Jewels (Rubis)
  • Besonderheit:Modularer Aufbau (Automatikmodul baugleich für Kaliber 103 & 104)

Juli


BIFORA Damenuhr aus 925er Sterlingsilber – Elegante Formensprache der Siebziger

Edler Silberglanz der frühen 1970er Jahre

Diese elegante BIFORA Damenuhr verkörpert perfekt den feinen Zeitgeschmack der frühen 1970er Jahre. Gehäuse und Armband sind komplett aus hochwertigem 925er Sterlingsilber gefertigt. Die klare, rechteckige Gehäuseform und das reduzierte Zwei-Zeiger-Design verleihen dem Schmuckstück eine zeitlose, minimalistische Ästhetik.

Kompakte Präzision auf kleinstem Raum

Trotz der zierlichen Abmessungen schlägt im Inneren ein verlässliches Herz: das Bifora Kaliber 52, das ab 1966 gefertigt wurde. Mit einer extrem kompakten Werksgröße von nur 5 ½ Linien zeigt es die hohe Kompetenz der Gmünder Uhrenmacher bei der Konstruktion von Formwerken für Damenuhren. Die erhöhte Schwingfrequenz von 21.600 A/h sowie die hauseigene Bifora-Stoßsicherung sorgen für verlässliche Ganggenauigkeit im Alltag.

Technische Details
  • Kaliber: Bifora 52 (Formwerk, 2 Zeiger)
  • Bauzeitraum Werk: ab 1966
  • Material:925er Sterlingsilber (Gehäuse)
  • Gehäuseform:Rechteckig
  • Werksgröße:5 ½ Linien
  • Schwingungen:21.600 A/h
  • Stoßsicherung:Bifora-Stoßsicherung
  • Epoche:Frühe 1970er Jahre

Februar


„Pfusch“ mit Charakter – Die Geschichte einer Unima-Marriage

Zusammenfassung

Manchmal erzählt eine Uhr nicht nur Industriegeschichte, sondern auch die ganz persönliche Geschichte des „Lehrgelds“. Unsere Uhr des Monats Februar ist eine klassische Marriage: Ein hochwertiges BIFORA-Unima-Werk in einem Gehäuse, das ursprünglich nie dafür vorgesehen war. Ein Stück, das zeigt, dass Wissen in einer Sammelleidenschaft oft erst durch Fehlkäufe wächst.

Hintergrund & Story

Vor rund 20 Jahren auf einem Flohmarkt entdeckt: Eine BIFORA-Unima mit stolzen 18 Rubis. Die Enttäuschung folgte beim Öffnen – das Gehäuse war defekt, die Gewindegänge praktisch nicht mehr vorhanden. Ein klassischer Fehlkauf? Nicht ganz. Wochen später fand sich auf dem Stuttgarter Karlsplatz eine Schweizer „de Luxe“ Uhr, die zwar ein minderwertiges Stiftankerwerk enthielt, aber ein passendes Gehäuse im 12-Linien-Format bot.

Das Ergebnis ist die hier gezeigte Kombination. Experten erkennen die Marriage sofort: Das verbaute Bifora Kaliber 120 wurde bis ca. 1965 produziert, während das hier genutzte Tonneau-Gehäuse erst Ende der 60er Jahre in Mode kam. Trotz seiner unkonventionellen Hülle bleibt das Werk ein feinmechanisches Highlight, das seinerzeit dank engster Toleranzen und Trompetenzapfen die Chronometerprüfung bestand.

Technische Details
  • Kaliber: BIFORA 120 (Unima)
  • Bauzeitraum Werk: ca. 1955 bis 1965
  • Steine: 18 Rubis (Lagersteine)
  • Schwingungen: 18.000 A/h
  • Stoßsicherung: Incabloc
  • Besonderheit: Zeitgenössische Marriage (Bifora-Werk in Schweizer Fremdgehäuse)

Januar


Ein glänzender Jahresauftakt – Die BIFORA Taschenuhr in 800er Silber

Zusammenfassung

Zum Start in das Jahr 2026 werfen wir einen Blick auf eine echte Besonderheit im BIFORA-Portfolio. Da sich die Manufaktur primär als Hersteller von Armbanduhren einen Namen machte, waren Taschen- oder Frackuhren eher ein exklusives Nebengeschäft. Unser aktuelles Sammlerstück besticht durch ein edles Gehäuse aus 800er Silber und klassische deutsche Handwerkskunst.

Hintergrund & Story

Das Gehäuse dieser Uhr erzählt seine eigene Geschichte: Es trägt die charakteristischen Stempel für deutsche Silberwaren – ein "B" im Kreis, flankiert von Halbmond und Reichskrone. Diese Punzen garantieren den Feingehalt des 800er Silbers und bieten Experten wertvolle Anhaltspunkte zur zeitlichen Eingrenzung.

Technisch gesehen handelt es sich bei diesem Modell um eine Lepiné. Im Gegensatz zur Savonnette, die einen Sprungdeckel besitzt, liegt das Zifferblatt bei der Lepiné-Bauweise frei. Das Uhrwerk mit einem Durchmesser von 18 Linien wurde vermutlich nicht im eigenen Haus, sondern als hochwertiges Rohwerk (Ebauché) zugekauft. Der modern anmutende Kronradaufzug lässt darauf schließen, dass die Uhr etwa in den 1950er-Jahren gefertigt wurde.

Technische Details
  • Typ: Lepiné (offene Bauweise ohne Sprungdeckel)
  • Gehäuse: 800er Silber (gestempelt mit Halbmond und Reichskrone)
  • Werkgröße: 18 Linien
  • Aufzug: Moderner Kronradaufzug
  • Zeitliche Einordnung: Vermutlich ca. 1950er-Jahre
  • Besonderheit: Seltene Gehäusepunzierung, untypisches Segment für BIFORA